Cover gestalten - Editorial Design

Cover perfekt gestalten in 10 Schritten

Im Editorial Design ist die Cover Gestaltung die Königsdisziplin. Modeschülerinnen an der Akademie für Mode und Design in München wollten von mir wissen, wie man ein Magazin-Cover gestaltet. Hier sind die 10 Steps zum perfekten Cover – lest selbst.

Schritt 1: Zielgruppe und Konkurrenz analysieren

Weil der Zielgruppe das Cover gefallen muss, steht am Anfang immer die Zielgruppen Analyse: Wer soll das Magazin lesen? Um herauszufinden, wie die Leser eigentlich sind und welche Ziele, Wünsche, Lebensumstände und Überzeugungen sie haben, macht man also erstmal eine Marktforschung.  Für die  Zielgruppe Frauen gibt es einige Marktforschungen im Internet, z.B. die Brigitte-Studie zu Frauen in Deutschland.

Bei der Konkurrenz-Analyse fragt man sich dann: Wer sind die Mitbewerber? Wer sind die Markführer, und warum sind sie das? Dabei schaut man genau hin, was die Konkurrenz macht. Diese Analyse der Konkurrenz zeigt einem schon ganz gut, was man nicht machen will, und bietet einem Ideen und Anregungen, was man so ähnlich oder noch besser machen kann. Mit dem Ergebnis kann man nun die Alleinstellungsmerkmale der eigenen Idee herausarbeiten.

Schritt 2: Magazin-Konzept schreiben

Bevor es an die grafische Umsetzung geht, sollte man ein Konzept für sein Magazin machen. Schreibt es am besten auf, denn dann könnt Ihr bei allen Beiträgen des Magazins überprüfen, ob sie wirklich zur Zielgruppe und zum Thema passen.

  • Was ist das Thema des Magazins?
  • An wen genau wendet es sich (Zielgruppe)?
  • Und mit welchen Adjektiven könnte man die Zeitschrift umschreiben?

Ihr könnt auch ein Moodboard machen. Dann sammelt Ihr Fotos von Menschen, Farbstimmungen, Produkten und Lebenswelten, und entwickelt so ein Gefühl für die Zielgruppe und die Themen.

cover zur inspiration

Coverjunkie zeigt Cover bis zum Abwinken. Hier kann man sich die besten Cover der Welt anschauen.

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Schritt 3: Technische und formale Details klären

Die Erscheinungsform eines Magazins ist entscheidend für die Wahrnehmung beim Leser. Ob Hochglanz-edel, Öko-nachhaltig oder Yellow Press: Jedes Magazin hat ein typisches Outfit, so wie die Leser auch. Hier ist eine Checkliste für Euer Projekt.

  • Format: Hoch oder Quer, Large oder Pocket?
  • Wie viele Seiten sind geplant, wie ist die Haptik?
  • Welche Papierqualität (Sorte und Gewicht) und Druckart (Tiefdruck, Offset, Digitaldruck)?
  • Thema Bindung: Lumback-Bindung oder geklammert?
  • Sollen Prägungen, Sonderfarben, Lackierungen oder sonstige Veredelungen verwendet werden?
  • Und was ist mit Klappcover, Verpackungen, Bauchbinden etc.?

Schritt 4: Grafische Cover Konzeption

Für das Cover braucht man Logo, Schriften, Farben, Bilder und manchmal grafische Elemente wie Störer, Buttons und den EAN-Code. Das Magazin Logo ist der Name des Magazins. Das kann einfach nur aus einer Schrift oder einer bildhaften Gestaltung bestehen. In jedem Fall sollte es unverwechselbar sein und die Marke verkörpern. Du klärst die Fragen:

  • Logo: Form, Farbe, Größe, Lesbarkeit?
  • Wie ist das Logo aufgebaut (nur Schrift, nur eine Schrift, gar keine Schrift, weitere Elemente, nur Zeichen, etc.)?
  • Ist es immer sichtbar oder auch teilweise verdeckt?
  • Cover-Aufbau: Welche Text-Elemente sollen aufs Cover?
  • Welche Bild-Elemente sind auf dem Cover zu sehen?
  • Sind es viele oder wenige Elemente?
  • Gibt es Buttons, Störer oder Ähnliches?
  • Anmutung: Welche Emotion soll das Cover vermitteln? Laut und dominant, oder clean und nüchtern, frech, sexy, verspielt, romantisch, zurückhaltend? Oder soll nur das Bild wirken? Soll das Cover überraschen, schockieren, oder zum Beispiel Eleganz vermitteln?

Die Typographie des Covers greift meistens die Heft-Typographie auf. Es werden Schriften mit Serifen verwendet, die einen eleganten Eindruck machen (wie Bodon bei der Vogue), oder serifenlose Schriften wie die Futura, die in ihren Light-Schnitten sehr edel wirken. Kalligraphische Schriften wirken nostalgisch oder verspielt. Mit Größenunterschieden und Kontrasten von Black und Light-Schnitten kann man Spannung erzeugen. Du entscheidest:

  • Welche Schriften willst du verwenden?
  • Wie werden sie miteinander kombiniert?
  • Ist der Textanteilauf dem Cover groß oder klein?
  • Welche Funktion haben sie auf dem Cover? (Vorzeile, Hauptzeile, Unterzeile)
  • Für den Verkauf braucht man: EAN-Code und Preise, Ausgabe und Datum. Wo soll das stehen?

Schritt 5: Das Cover Farbkonzept

Jetzt entwirfst Du die Farbwelt. Vielleicht ergibt sich ja schon eine Richtung aus dem Moodboard. Wie soll das Cover sein? Eher bunt oder gedeckt, viele oder wenige Farben? Du kannst auch ein Farbsystem mit Hilfe eines Tools wie Adobe Kuhler entwickeln… https://color.adobe.com/de/create/color-wheel

  • harmonisch, gedeckt
  • grell und kontrastreich
  • mit leuchtenden Sonderfarben
  • Dominiert auf dem Cover die Farbe des Fotos, sind die Texte nur schwarz oder weiß, oder kommt eine Farbe für die Headlines dazu (welche Farbe)?
  • Ist jedes Heft anders, oder sollen CI-Farben der Marke zugeordnet werden?

Schritt 6. Cover Abbildungen

Meist ist das Hauptmotiv des Covers ein Foto. Es kann aber auch eine Illustration oder ein komplett typografisch gestalteter Titel sein. Neben den fotografischen Eigenschaften (wie gute Ausleuchtung und Schärfe) klärt man im Vorfeld:

  • Foto: ja oder nein?
  • Was wird abgebildet? Menschen, Landschaft, Produkte?
  • Bei Menschen: Portrait oder Ganzfigur, Studio, Außenbereich (Location), Styling, Farbigkeit?
  • Illustration: ja oder nein?
  • Gibt es noch andere Bildelemente?
  • Was für eine Bildsprache wird eingesetzt?
  • Wie wird das Bild eingesetzt?
Künstler gestalten die Cover von Vogue und Vanity fair

Vogue mit einem Cover von Joan Miro. und Vanity Fair von Jean Carlu gestaltet. (1930)

Es müssen nicht immer Fotos sein. Kunst geht auch!
Vogue: Cover Design berühmter Künstler

Schritt 7: Cover Dummy bauen

Wenn man alle Elemente für das Cover geklärt hat, kann man ein Dummy bauen. In dem sind Logo, alle Textblöcke und Elemente mit Blindtext und ein Dummy-Foto auf dem Layout platziert. Alles super? Dann wird das Foto produziert – oder man besorgt ein Foto von einer Bildagentur.

Schritt 8: Cover Fotoproduktion

Der Fotograf, die Models, das Studio und der Stylist werden gebrieft und gebucht. Wenn man zum Briefing das Dummy vorliegen hat, tun sich alle Beteiligten leichter, das anvisierte Ziel zu verstehen. Auch zum Cover-Shooting sollte man den Coverentwurf mitbringen, damit der Fotograf die Idee besser umsetzen kann und den Platz für Logo und Texte berücksichtigt.
Das Foto-Dateiformat sollten RAW-Dateien sein, weil die später bei der Retusche die Details zum Vorschein bringen, die ein Jpeg-Format wegen der Komprimierung nicht mehr hat.

Schritt 9: Cover Layout fertigstellen

So, fast geschafft! Jetzt muss das Cover noch final layoutet werden. Das ist jetzt nicht mehr schwer, denn die Hauptfragen der Gestaltung sind schon geklärt. Noch zu tun sind die Schritte:

  • Fotoauswahl: Qualität, Schärfe, Emotion, Blick, Details?
  • Motiv ins Layout einspiegeln und über Retusche entscheiden: Wie natürlich soll es sein? Wie ist die angestrebte Anmutung?
  • Cover betexten: Die Textlängen sollten sich nach den Dummy-Texten richten. Zu lange oder zu kurze Texte können das Layout ruinieren. Es lohnt sich daher, die Texte möglichst genau am Entwurf zu orientieren.

Schritt 10: Cover Druckvorlage erstellen

Hier wird es noch einmal spannend. Die Retusche entscheidet, wie das Foto im Druck wiedergegeben wird. Und Achtung! Hier kann alles nochmal richtig in die Hose gehen. Darum sollte man besser folgende  Punkte beachten:

  • Für die Retusche braucht man das richtige Druckprofil
  • Die Papierqualität spielt eine wichtige Rolle, denn es muss anders retuschiert werden, wenn man auf Hochglanz oder auf mattem Paper druckt.
  • Das Druckverfahren muss auch dabei berücksichtigt werden. Die falschen Vorgaben können das ganze Cover ruinieren. Darum unbedingt von der Druckerei diese Daten einholen.
  • Die Auflösung der Bilder muss im Druck 300 dpi sein.
  • Vor dem Druck sollte man ein Proof von dem fertig retuschierten und layouteten Cover anfertigen lassen, um die Farbwirkung zu kontrollieren (Haut-Töne, Haarfarbe, Details, Lesbarkeit).
  • Ein Proof ist die verbindliche Vorlage für die Druckerei. Die Farbabweichungen des Covers im Druck sollten dann nur noch minimal sein.
Cover Retusche im Editorial Design.

Die Retusche kann die Wirkung des Fotos stark verändern. Darum sollte man hier besonders sorgfältig arbeiten. Das richtige Druckprofil muss der Datei vor der Retusche zugewiesen werden. Welches, das hängt von der Papierqualität und dem Druckverfahren ab. Man erhält es von der Druckerei.

Mehr dazu von Retuscheur Mike Reiss
Editorial Design – Retusche Beispiele

Independent Magazines gegen den Mainsteam

Der Verleger Hubert Kretschmer (Icon-Verlag) hat eine riesige Sammlung von Independent-Magazinen. Da lohnt sich das Stöbern.

Independent Magazine Archive von dem Verleger und Künstler Hubert Kretschmer in München.
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2 Gedanken zu „Cover perfekt gestalten in 10 Schritten

  1. Pingback: Editorial Design | Sigrid Kowalewski

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